Sollte man Ideen sterben lassen?

Mir schwirrt mal wieder so eine Geschichte im Kopf rum. Eine von der Art, die nicht eher Ruhe gibt, ehe ich sie nicht ausgefeilt und aufgeschrieben habe.

Die Hauptfigur steht, eine grobe Storyline ebenfalls und dann Schwups, fällt mir auf einmal ein, dass es ja total cool wäre, wenn noch acht – ich wiederhole, ACHT – weitere Charaktere mitspielen könnten. Also tüftle ich, schreibe um, überlege und bekomme Schlussendlich einen Knoten im Hirn, weil ich es einfach nicht auf die Reihe bekomme!

Mein schönes, kleines Märchen bläht sich total auf und meine Hauptfigur, um die es ja eigentlich gehen sollte, geht komplett unter. Ich weiß nicht mehr, wie ich sie zurück in den Mittelpunkt rücken kann und die ganze Geschichte gerät ins Stocken. Es geht einfach nicht weiter. Die Ideen fließen nicht mehr. Da ist nur noch ein grauer, träger Nebel, der jeden Gedanken erbarmungslos verschluckt.

Was machst du dann?

Naja, ich hab erst mal gar nichts gemacht. Sondern habe das Märchen, samt ihrer zusätzlichen acht Charaktere, einfach links liegen lassen. Stattdessen habe ich mich mit anderen Dingen beschäftigt, wie z.B. mein Bad zu putzen. Diejenigen unter euch, die diesem Blog folgen, wissen, wie gern ich das tue.

Doch irgendwann ist mir wieder bewusst geworden, warum ich die Geschichte schreiben wollte und worum es mir dabei am Anfang ging. Und so habe ich die acht zusätzlichen Charaktere sterben lassen! Ich habe mich auf meinen Hosenboden gesetzt, den Laptop hochgefahren und nochmal von vorne angefangen. Ohne sie!

Denn ja, manchmal muss man sich von Liebgewordenem trennen, um weitermachen zu können. Manchmal muss man Entscheidungen treffen, um einem Märchen zu seinem Happy End zu verhelfen. Und, verdammt nochmal JA, manchmal muss man genau dafür Ideen sterben lassen.

Lass Bilder sprechen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.
Wahre Worte. Auch wenn ich keine Ahnung habe, von wem diese Worte stammen. Wikipedia gibt hierzu leider keine klare Antwort. Aber egal ob es nun ein chinesisches Sprichwort oder ein amerikanischer Werbespruch ist, für mich sind diese Worte mittlerweile fast wie ein Mantra – zumindest wenn es ums Schreiben geht.

Warum? Weil ich folgendes für mich festgestellt habe. Je genauer und detailreicher ich eine Figur oder eine Szene im Kopf habe, desto besser kann ich sie aufschreiben. Wenn also ein neues Märchen wie ein Film vor meinem inneren Auge abläuft, fliegen meine Finger nur so über die Tasten. Leider ist dieser Fall ziemlich selten.

Meist habe ich nur den Hauch einer Idee. Ohne wirklich zu wissen, wohin mich diese Idee führt. Langsam entstehen dann Bilder in meinem Kopf. Figuren werden lebendig. Sie durchleben Situationen, die ich für sie geschaffen habe oder in die sie – ganz ohne mein zu tun – hineinstolpern. Manchmal stehen sie sie tapfer durch … aber manchmal sind sie bockig und tun einfach nicht das, was sie sollen.

Aber genau das sind die Momente, die das Schreiben spannend machen. Denn dann fangen diese Bilder an zu sprechen und etwas Besonderes entsteht.

Als ich „Der rollende Penny“ schrieb, hatte ich den Anfang der Geschichte komplett im Kopf. Ich habe ihn vor mir gesehen, wie er traurig und rostig vor sich hin rollt. Doch ich hatte keine Ahnung, wie dieses Märchen enden sollte und so dümpelte es lange Zeit vor sich hin, ohne wirklich irgendwo anzukommen.

Es geht also nicht darum, mir nur eine wage Vorstellung von einer Geschichte zu machen. Nein. Es geht darum, sie mir in allen Details auszumalen. Genau wie auf einem Bild, dass ich dann mit mehr als tausend Worten beschreiben kann.

Sobald mein Bild im Kopf allerdings unscharf wird, wird auch meine Geschichte schwammig. Und ihr merkt das sofort! Ihr werdet stutzig und legt im schlimmsten Fall mein Märchen zur Seite und geht zum nächsten eBook über.

Je genauer ich also ein Bild vor Augen habe, desto detailreicher wird auch meine Geschichte.

Für den rollenden Penny habe ich dann doch noch ein Ende gefunden. Und ich habe an diesem Punkt für mich gelernt: Lass Bilder sprechen, denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Meine Urknall-Theorie

Es geschieht ohne Vorwarnung. Zuerst ist da nichts. Nur gähnende Leere und dann BÄHM … einen Wimpernschlag später ist sie einfach da. Eine Idee oder ein Charakter. Manchmal sind es ganze Szenen, manchmal nur eine Stimmung. Und genau wie beim Urknall fängt hier alles an.

Du kannst nicht beeinflussen, wann es passiert. Du kannst die Auslöser nicht beeinflussen. Denn du kennst sie nicht. Mal ist ein kleines, gold-glitzerndes H, das selbstvergessen an einer Garderobe klebt. Mal eine Freundin.

Die Auslöser sind so unterschiedlich, wie es Sterne am Himmel gibt und doch haben sie alle eines gemeinsam. Sie sind Inspiration und damit der Startschuss für eine neue Geschichte.

Inspiration ist wie ein Urknall! Was nach dem Urknall passiert, erfahrt ihr beim nächsten Mal.