Andere Länder, andere Märchen

Zum Geburtstag schenkte mir eine liebe Freundin das Buch: Best Fairy Stories of the World von der Collector’s Library. Ich freute mich wirklich sehr darüber und fing an es durch zu blättern und kurz rein zu lesen. Bei Cinderella ist mir dann etwas aufgefallen, worüber ich mir sonst nie Gedanken gemacht hatte.

Die Cinderellas Story, die ich da las, war anders! Sie unterschied sich zumindest in Teilen von der Version, die ich aus meiner Kindheit kannte. Also fing ich an zu überlegen.

Die Version mit der ich aufgewachsen bin, ist von den Gebrüdern Grimm. In ihr gibt es keine gute Fee, sondern Aschenputtel steht unter einem Haselnussbaum und erhält dort ihre Kleider. Zum Schluss hacken sich die bösen Schwestern auch Teile ihrer Füße ab, um in den Schuh zu passen. Übrigens ist der Prinz in dem Fall nicht so helle, sondern muss sich von Tauben sagen lassen, dass da Blut im Schuh ist.

Als ich älter wurde, kam die tschechische Version dazu. (Noch heute der traditionelle Weihnachtsfilm unter den Frauen meiner Familie) Hier ist Aschenputtel etwas aktiver. Sie erhält ihre Kleider aus drei verzauberten Haselnüssen und führt den Prinzen zeitweise ziemlich an der Nase herum. Vielleicht ein Grund, warum mir diese Version am Besten gefällt. Aber der Prinz ist nicht dumm und findet mit Hilfe des Schuhes bald sein Aschenputtel.

Dann kommt auch schon die amerikanische Version. Die wahrscheinlich verbreiteste Version. Hier verwandelt die gute Fee, einen Kürbis in eine Kutsche, Mäuse in Pferde und Cinderella in eine Prinzessin. Und es gibt natürlich den gläsernen Schuh.

Aber auch wenn sich die Märchen in Teilen unterscheiden, muss Cinderella immer um Mitternacht zu Hause sein! Sie erzählen alle die gleiche Geschichte, nur eben auf ihre eigene Art und Weise.

Über Generationen werden Märchen weitergetragen. Entwickeln vielleicht neue Facetten, werden in die heutige Zeit „übersetzt“ und in neue Erzählformen gebracht. Dennoch bleibt ihre Kernaussage erhalten.

Und ist es nicht das, was ein gutes Märchen ausmacht?

Dass es zeitlos und im Grunde auch grenzenlos ist. Das seine Themen auch kulturübergreifend wirken und es keine Rolle spielt, wann oder wo der Leser lebt. Sondern einfach nur, dass es erzählt wird. Auf welche Weise auch immer.

 

Was einen Schriftsteller wirklich ausmacht …

… ist sein Lektor!

Seien wir doch mal ehrlich – und ich weiß, ich bin erst seit kurzem dabei – aber ohne seinen Lektor ist ein Schriftsteller doch ziemlich aufgeschmissen.

Denn wenn du gerade mitten in deiner kreativen Schaffensphase bist, dir die Charaktere und Handlungsstränge nur so zufliegen und du so in die Tasten haust, dass dein Laptop schon anfängt zu Qualmen, hast du einfach keine Zeit um auf Kleinigkeiten zu achten. Du bist so in deiner Story gefangen, dass du das Gefühl hast, nur wieder frei atmen zu können, wenn diese endlich Schwarz auf Weiß vor dir liegt.

Da geraten Dinge wie Rechtschreibung, Grammatik und die gute, alte Kommasetzung schon mal ins Hintertreffen. Aber es kann noch viel dramatischer kommen. Nämlich wenn du den roten Faden deiner Geschichte verlierst. Wenn du – ganz ausversehen – jemanden sterben lässt und drei Seiten weiter, steht er quicklebendig wieder auf der Matte und versucht deine Hauptfigur in die Irre zu führen. OK, vielleicht war das ja von Anfang an dein Plan. Aber was, wenn nicht?

Und hier kommt dein Lektor ins Spiel. Neben den vielen, kleinen, notwendigen Korrekturen, bei denen du dich immer wieder fragst, warum sie dir nicht aufgefallen sind, macht er dich auf deinen Toten aufmerksam. Er stellt die Sinnfrage. Hinterfragt Motive. Gibt Hinweise, wo Passagen gekürzt oder näher erklärt werden müssen.

Dazu kommen die Passagen, mit denen du selbst nicht so 100pro zufrieden bist. Auch wenn du es nie zugeben würdest. Du kannst die Sätze nicht richtig greifen. Findest die richtigen Worte nicht und weißt vielleicht noch gar nicht wirklich, was du überhaupt sagen willst. Auch hier hilft dir dein Lektor weiter und gibt Tipps und Anregungen.

Ein kluger Kopf meinte einmal, dass Lektoren die unsichtbaren Dritten wären. Sie helfen deine Geschichte etwas runder zu machen. Und trotzdem ist und bleibt sie dein Baby.

Also: Hab Vertrauen und denk zumindest ernsthaft über Änderungen nach, die er oder sie dir vorschlägt.

 

Wer fragt, muss auch mit der Antwort klar kommen!

Ich habe es ja selbst so gewollt. Von daher darf ich mich eigentlich nicht beklagen. Und jeder der eine Frage stellt, muss damit rechnen, dass ihm die Antwort nicht gefallen könnte. Aber man hofft natürlich auf das Gegenteil.

In meinem Beitrag „Alles nur geklaut“ habe ich die Frage gestellt, ob alle meine Ideen und die Geschichten, die so in meinem Kopf rumschwirren, wirklich von mir sind oder einfach nur Abzüge aus all dem, was ich irgendwann einmal gelesen oder gesehen habe.

Also stellte ich die Frage und Wortman hat geantwortet!

Es gibt keine neuen Geschichten. Alles wurde schon einmal erzählt. Wenn es aber ansprechend ist, liest man auch altbekannte Sachen immer wieder.  -Wortman-

Das war definitiv nicht das, was ich hören wollte. Völlig desillusionierend. Geradezu brutal. Und wisst ihr, wann mich Antworten am meisten zur Weißglut bringen? Wenn sie schlicht und ergreifend der Wahrheit entsprechen.

Ich hatte schon eine Weile an Wortmans Antwort zu knabbern. Schließlich hat er mich mit nur einem Satz aus meinem märchenhaften Luftschloss wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Doch er hat mich auch ins Grübeln gebracht. Und dann ist etwas Merkwürdiges passiert. Ich habe Musik gehört. OK, das ist jetzt nicht so merkwürdig. Macht ja jeder irgendwann mal. Aber mir wurde bewusst, dass es nur eine bestimmte Anzahl von Noten gibt aber eine fast unendliche Anzahl von Möglichkeiten, diese zu kombinieren.

Die Themen über die gesungen wird, sind im Grunde auch immer die Gleichen. Und trotzdem gibt es jedes Jahr wieder einen neuen Hit, der alles neu interpretiert. Der etwas ausdrückt, was du nicht in Worte fassen kannst. Der dir etwas sagt, was dir vorher nicht bewusst war oder der dich tröstet, wenn es dir schlecht geht. Und gerade die alten Kamellen, die du dir schon tausendmal angehört hast und bei denen du jedes einzelne Wort lauthals mitsingen kannst, sind doch die, auf denen du am besten abtanzen kannst.

Geschichten sind also wie Musik. Die guten, reißen dich immer wieder mit. Egal wie oft du sie schon gehört hast!

Danke Wortman

 

Zeit für ein bisschen Theorie

Wisst ihr was ich festgestellt habe. Ich schreibe jetzt seit fast einem Jahr diesen Blog über Märchen und das Schreiben von Märchen. Doch ich habe noch nie darüber gesprochen wie Märchen definiert werden. Was macht denn ein Märchen überhaupt zum Märchen? Und wie unterscheidet es sich von Fabeln, Legenden oder Sagen?

Also habe ich mich auf meinen gut gepolsterten Hosenboden gesetzt und ein bisschen recherchiert. Folgendes ist dabei rausgekommen.

Volksmärchen vs. Kunstmärchen

Volksmärchen sind meist mündlich überlieferte Märchen, bei denen der Urheber unbekannt ist. Erst um 1812/15 fingen die Gebrüder Grimm an, sie zusammen zu tragen und schriftlich festzuhalten.

Beim Kunstmärchen ist der Autor bekannt.

Im Prinzip ist das auch schon der einzige Unterschied. Ich schreibe also Kunstmärchen! Wieder was gelernt.

Was macht ein Märchen zu einem Märchen?

Das wichtigste zuerst: Märchen sind frei erfunden! Wer hätte das gedacht. In diesen Prosatexten ist die Handlung weder zeitlich noch örtlich festgelegt.

Der Duden definiert ein Märchen so:
Im Volk überlieferte Erzählung (das Thema hatten wir ja geklärt), in der übernatürliche Kräfte und Gestalten in das Leben der Menschen eingreifen und meist am Ende die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden. So kann man es natürlich sagen.

Wissen.de meint folgendes:
Eine kurze, mündlich oder schriftlich verbreitete Prosaerzählung, die von fantastischen Zuständen und Vorgängen berichtet. In einer zeitlich und räumlich nicht festgelegten Sphäre greifen übernatürliche Mächte in die Alltagswelt ein. Gefällt mir auch.

Aber wenn man genau hinschaut … und Achtung es folgt ein allumfassender Spoiler, den nur Hartgesottene lesen sollten … ist die Handlung immer gleich. Die Heldin zieht aus, muss eine Prüfung bestehen, löst das Problem und bekommt am Ende ihr Happy End. Beim Helden läuft es übrigens genauso. Dazu kommt, dass die Hauptfiguren namenlose Stereotypen sind, wie z.B. der König, die Prinzessin, die Hexe, der Jäger. Oder es sind kurze Allerweltsnamen wie Hänsel und Gretel.

Kurz und Knackig – Die Fabel

Fabeln sind ebenfalls frei erfunden. Der Autor ist bekannt. Die Moral steht hier absolut im Vordergrund. Es agieren meist sprechende Tiere anstatt von Menschen. Diese Tiere besitzen stereotype Eigenschaften. Der Fuchs ist schlau, der Esel dumm usw.

Die Sage

Sagen haben einen höheren Realitätsanspruch als Märchen und besitzen in der Regel einen wahren Kern. Sie enthalten genaue Orts- und Zeitangaben und beruhen auf historischen Begebenheiten. Sagen unternehmen den Versuch, die Ursache und den Ablauf dieser Ereignisse zu erklären.

Die Legende

Legenden besitzen ebenfalls einen wahren Kern und enthalten genaue Orts- und Zeitangaben. Im Gegensatz zur Sage liegt ihnen aber meist eine historische Person zu Grunde. Die oft auch namentlich genannt wird. Die gesamte Handlung der Legende wird von der Biographie dieser Person bestimmt.

Ein paar allgemeine Dinge, die ich interessant fand

Märchen = mittelhochdeutsch mære, „Kunde, Erzählung“

Märchenhafte Motive und Erzählformen finden sich zu allen Zeiten und in allen Regionen der Welt. Vorformen fand man sogar schon vor 500 n. Chr., unter anderem in Indien. Die ersten Märchensammlungen stammen aus Italien des 17. Jahrhunderts.

Und ein Zitat zum Schluss

Im Kunstmärchen ist hinter der vom Volksmärchen übernommenen Naivität eine nur symbolisch angedeutete Welt- oder Kunstanschauung verborgen, die den einzelnen Figuren und Begebenheiten eine tiefere Bedeutung verleiht und die diese Gattung daher auch für das erwachsene Lesepublikum unserer Zeit attraktiv macht
(A. de Saint-Exupéry).

 

Ein kleiner Hinweis:
Ich gebe keine Garantie auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der Angaben.
Liebe Kinder: Falls ihr diese Texte also für eure Hausaufgaben kopieren wollt, überlegt euch das noch mal.

Quellenangaben:
wissen.de/lexikon/maerchen
wikipedia.de
duden.de
planet-schule.de/wissenspool/die-brueder-grimm/inhalt/hintergrund/maerchen-definition-abgrenzung-zur-sage-legende-fabel.html

 

Der Plan

Sterben Märchen aus? Diese Frage beschäftigt mich nach wie vor. Leider bin ich einer Antwort noch kein Stück nähergekommen. Warum? Naja, Schreiben ist für mich ein Hobby. Ich schreibe allein in meinem kleinen Kämmerlein. Deswegen bin ich weder in irgendwelchen Autorennetzwerken unterwegs, noch kenne ich die Szene besonders. Und Google konnte mir bisher auch nicht wirklich weiterhelfen.

Aber: Ich habe einen Plan!

Ich habe beschlossen aktiv zu werden und die Sache selbst in die Hand nehmen. Denn im März ist die Leipziger Buchmesse und ich werde dabei sein. Nur als Gast versteht sich. Aber dort treffen Autoren, Leser und Verlage aufeinander. Bücher und Geschichten werden gefeiert und vielleicht, nur vielleicht, finde ich ja eine Antwort auf meine Frage.

Wie genau ich es anstellen werde, der Märchenfrage auf den Grund zu gehen, weiß ich noch nicht. Vielleicht werde ich einen kleinen Fragenkatalog zusammenstellen und jeden damit löchern, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Oder ich schaue mir einfach nur jeden einzelnen Stand an und suche nach neuen, aufstrebenden Märchenbuchautoren. Was ja dann die Märchenfrage beantworten würde.

Wahrscheinlich komme ich aber eher mit einer Ladung neuer Bücher, als mit einer Antwort zurück. Und selbst wenn, dann habe ich zumindest wieder jede Menge Lese-Spaß. Außerdem gibt’s da ja immer noch Frankfurt.

Wie sieht‘s denn mit euch aus? Glaubt ihr, dass Märchen wirklich aussterben? Oder habt ihr Fragen zum Thema Märchen, die ich auf der Messe stellen soll? Dann schreibt mir.

 

Alles nur geklaut?

Das wichtigste zuerst. Ich hab’s geschafft! Woohoo. Mein innerer Schweinehund wurde (vorerst) von mir besiegt und mein Märchen ist tatsächlich noch rechtzeitig fertig geworden. So schlecht kann es auch nicht gewesen sein, denn meine Geschenke habe ich bekommen.

Nachdem ich mein Märchen über die Feiertage einfach links liegen lies, kramte ich es nun wieder raus. Ich fing an, es Korrektur zu lesen und zu Überarbeiten. Und irgendwie war das komisch.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr etwas geschrieben habt und es nach einer Weile, mit etwas Abstand, von Anfang bis Ende durchlest? Es ist so eine ungläubige Mischung aus: Wow … das hast du geschrieben? Und: Ach tu scheiße … das hast du geschrieben!

Dazu kommt, dass ich eine echte Leseratte bin. Ich lese so oft ich kann. Ganz unterschiedliche Sachen. Je nach Stimmung. Und das gleiche gilt für Filme. Was soll ich sagen. Ich liebe einfach gute Geschichten.

Da ich über die Jahre aber so viel gelesen bzw. gesehen habe, frage ich mich, ob das wirklich meine Geschichten sind, die ich da schreibe. Oder sind es nicht vielmehr Ideen, die ich tief aus meinem Unterbewusstsein krame. Die letzten Endes eher auf anderen, bereits bestehenden Geschichten beruhen, die ich irgendwann mal aufgeschnappt habe.

Sind meine Geschichten und Märchen letzten Endes nichts als billige Raubkopien? Oder wirklich neue, individuelle Stories, die es zu erzählen lohnt?

Entscheiden könnt das im Endeffekt nur ihr – meine Leser.

Und irgendwie sind Geschichten doch auch nur wie Schokolade. Es gibt hunderte von Sorten und trotzdem ist jede für sich, immer nur reine Geschmackssache.

 

Es flutscht – fast

Vor einiger Zeit habe ich euch von meinem Kampf mit meinem ganz persönlichen, inneren Schweinehund berichtet. Und was soll ich sagen. Der Kerl ist ziemlich hartnäckig und hat es sich bei mir so richtig schön gemütlich gemacht. Alle Versuche ihn unter Kontrolle zu bringen scheiterten kläglich. Er war – und ist – einfach zu stark, zu überzeugend und ja ich gebe es zu – ich war zu schwach.

Doch jetzt hat sich etwas geändert. Etwas gegen das dieser fiese Mistkerl nicht ankommt. Meine Deadline! Am 23.12. ist quasi Abgabetermin für meine neue Geschichte. Denn Heiligabend ist Premiere. Komme was wolle. Schließlich kann ich nicht vor dem Weihnachtsmann stehen und sagen. „Ähmm … ich lese dir schon mal den Anfang vor. Das Ende der Geschichte erfährst du dann nächstes Jahr. Ist ja auch spannender.“ Kommt nicht so gut, oder?

Nachdem meine Wohnung also blitze-blank ist, alle Geschenke eingepackt sind und ich effektiv nur noch 8 Stunden Zeit habe – wirklich, ich hab‘s ausgerechnet – nimmt der Zeitdruck zu. Und der finale Kampf beginnt.

Die Geschichte hab ich im Kopf. 2/3 sind schon fertig. Den Rest muss ich also nur noch aufschreiben. Doch wie heißt es so schön. Der Kopf ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Ob ich es schaffe oder mich vor dem Weihnachtsmann so richtig schön blamiere, erfahrt ihr leider erst nächstes Jahr.

Bis dahin wünsche ich euch allen fröhliche Weihnachten.