Eine Frage der Ehre?

Mir schwirrt schon seit Monaten eine Geschichte im Kopf herum. Inspiriert ist sie von einer Person, die mir sehr nahesteht. Nennen wir sie einmal X.

Doch in dieser Geschichte wird X mit seinen Schwächen konfrontiert. Und genau hier liegt das Problem. Denn ich habe Angst, wie X reagiert, wenn er sie am Ende liest. Ständig habe ich dieses Bild vor Augen, wie X mich völlig entgeistert, enttäuscht und vielleicht auch ein klein wenig wütend anstarrt und dabei die eigentliche Botschaft nicht mitbekommt. Die ist nämlich durchaus positiv.

Ich will X nicht auf den Schlips treten oder ihn verletzen. Schließlich wird niemand gern auf seine Schwächen aufmerksam gemacht. Kann ich verstehen. Geht mir ja auch so.

Und dann habe ich gedacht: Schreib doch erst mal! Wenn du die Geschichte dann fertig hast, zeig sie ihm. Und nur ihm. Unter vier Augen. Letzen Endes ist es ja auch nur eine Geschichte und die Hauptfigur besitzt nur einige Facetten von ihm.

Aber irgendwie bekomm ich das nicht hin.

Ist es also eine Frage der Ehre, die Geschichte zu schreiben ohne Rücksicht auf Verluste?
Oder ist es Ehrensache das Thema einfach ruhen zu lassen und keine schlafenden Hunde zu wecken?

Oder spinn ich einfach nur rum und mach mir zu viele Gedanken?

 

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4 Gedanken zu “Eine Frage der Ehre?

  1. Schwierige Frage. Ich kenne X ja nicht… Aber grundsätzlich würde ich auch sagen, erst mal schreiben. Wie groß ist denn die Ähnlichkeit? Trifft die Geschichte, die X betrifft, nicht vielleicht sogar auf viele Menschen zu? Oder wäre es X sofort klar, wenn er/sie die Geschichte liest, dass es um ihn/sie geht? Vielleicht fühlt er/sie sich ja aber auch geschmeichelt. Wenn die Botschaft der Geschichte positiv ist, kann es doch nicht verkehrt sein. Würde ich sagen.
    Viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

  2. Hej Lucie! Vielleicht war es Jane Austin oder auch James Joyce (jedenfalls war es jemand vergleichbaren Formats, soweit ich mich erinnere), der behauptete als Literat müsse man „völlig skrupellos gegenüber Familie und Angehörigen“ sein – zumindest hat sicher irgendjemand, irgendwann was ähnliches behauptet und damit wahrscheinlich ziemlich recht gehabt.
    Ich verstehe Deine Skrupel. Ich kann auch eigentlich nicht schreiben, was geschrieben werden will. Die Geschichte würde zu sehr verletzen. Also lasse ich sie stumm. Aber hey! Du bist doch ne Märchentante! Du kannst X verwandeln in was Du willst: den bösen Wolf, den Nord-Ost-Wind, einen kleinen Spatz, der sich in fliehenden Fäden verheddert oder in einen alten Dachboden, der eine zerbrechliche Tänzerin liebt. Genre hin oder her: Du brauchst Mut. Vielleicht Skrupellosigkeit. Ein weiteres Synonym. Oder ein Herz, groß genug die Wahrheit offen zu tragen. Wenn sich in Deinem Blick aufrichtiges Verstehen spiegelt, ist das ja eigentlich eine großartige Liebeserklärung…

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