Zeit für ein bisschen Theorie

Wisst ihr was ich festgestellt habe. Ich schreibe jetzt seit fast einem Jahr diesen Blog über Märchen und das Schreiben von Märchen. Doch ich habe noch nie darüber gesprochen wie Märchen definiert werden. Was macht denn ein Märchen überhaupt zum Märchen? Und wie unterscheidet es sich von Fabeln, Legenden oder Sagen?

Also habe ich mich auf meinen gut gepolsterten Hosenboden gesetzt und ein bisschen recherchiert. Folgendes ist dabei rausgekommen.

Volksmärchen vs. Kunstmärchen

Volksmärchen sind meist mündlich überlieferte Märchen, bei denen der Urheber unbekannt ist. Erst um 1812/15 fingen die Gebrüder Grimm an, sie zusammen zu tragen und schriftlich festzuhalten.

Beim Kunstmärchen ist der Autor bekannt.

Im Prinzip ist das auch schon der einzige Unterschied. Ich schreibe also Kunstmärchen! Wieder was gelernt.

Was macht ein Märchen zu einem Märchen?

Das wichtigste zuerst: Märchen sind frei erfunden! Wer hätte das gedacht. In diesen Prosatexten ist die Handlung weder zeitlich noch örtlich festgelegt.

Der Duden definiert ein Märchen so:
Im Volk überlieferte Erzählung (das Thema hatten wir ja geklärt), in der übernatürliche Kräfte und Gestalten in das Leben der Menschen eingreifen und meist am Ende die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden. So kann man es natürlich sagen.

Wissen.de meint folgendes:
Eine kurze, mündlich oder schriftlich verbreitete Prosaerzählung, die von fantastischen Zuständen und Vorgängen berichtet. In einer zeitlich und räumlich nicht festgelegten Sphäre greifen übernatürliche Mächte in die Alltagswelt ein. Gefällt mir auch.

Aber wenn man genau hinschaut … und Achtung es folgt ein allumfassender Spoiler, den nur Hartgesottene lesen sollten … ist die Handlung immer gleich. Die Heldin zieht aus, muss eine Prüfung bestehen, löst das Problem und bekommt am Ende ihr Happy End. Beim Helden läuft es übrigens genauso. Dazu kommt, dass die Hauptfiguren namenlose Stereotypen sind, wie z.B. der König, die Prinzessin, die Hexe, der Jäger. Oder es sind kurze Allerweltsnamen wie Hänsel und Gretel.

Kurz und Knackig – Die Fabel

Fabeln sind ebenfalls frei erfunden. Der Autor ist bekannt. Die Moral steht hier absolut im Vordergrund. Es agieren meist sprechende Tiere anstatt von Menschen. Diese Tiere besitzen stereotype Eigenschaften. Der Fuchs ist schlau, der Esel dumm usw.

Die Sage

Sagen haben einen höheren Realitätsanspruch als Märchen und besitzen in der Regel einen wahren Kern. Sie enthalten genaue Orts- und Zeitangaben und beruhen auf historischen Begebenheiten. Sagen unternehmen den Versuch, die Ursache und den Ablauf dieser Ereignisse zu erklären.

Die Legende

Legenden besitzen ebenfalls einen wahren Kern und enthalten genaue Orts- und Zeitangaben. Im Gegensatz zur Sage liegt ihnen aber meist eine historische Person zu Grunde. Die oft auch namentlich genannt wird. Die gesamte Handlung der Legende wird von der Biographie dieser Person bestimmt.

Ein paar allgemeine Dinge, die ich interessant fand

Märchen = mittelhochdeutsch mære, „Kunde, Erzählung“

Märchenhafte Motive und Erzählformen finden sich zu allen Zeiten und in allen Regionen der Welt. Vorformen fand man sogar schon vor 500 n. Chr., unter anderem in Indien. Die ersten Märchensammlungen stammen aus Italien des 17. Jahrhunderts.

Und ein Zitat zum Schluss

Im Kunstmärchen ist hinter der vom Volksmärchen übernommenen Naivität eine nur symbolisch angedeutete Welt- oder Kunstanschauung verborgen, die den einzelnen Figuren und Begebenheiten eine tiefere Bedeutung verleiht und die diese Gattung daher auch für das erwachsene Lesepublikum unserer Zeit attraktiv macht
(A. de Saint-Exupéry).

 

Ein kleiner Hinweis:
Ich gebe keine Garantie auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der Angaben.
Liebe Kinder: Falls ihr diese Texte also für eure Hausaufgaben kopieren wollt, überlegt euch das noch mal.

Quellenangaben:
wissen.de/lexikon/maerchen
wikipedia.de
duden.de
planet-schule.de/wissenspool/die-brueder-grimm/inhalt/hintergrund/maerchen-definition-abgrenzung-zur-sage-legende-fabel.html

 

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